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Niederrheinpokal - "ohne große Juristerei"

Niederrheinpokal, Halbfinale. Der MSV Duisburg gewinnt in Essen mit 4:1 im Elfmeterschießen. Spannend, aber nicht das, worüber man am Ende sprechen sollte.

Medial war der Pokalfight bestens vorbereitet. Von Derbystimmung, Rivalität und Vorfreude war zu lesen und es wurde hinreichend betont, wie sehr man sich einen friedlichen Ablauf wünschte. Ob das ernst gemeint war, kann ich nicht beurteilen. Später konnte man jedenfalls vernehmen, dass das Spiel Sport1 zeitweise eine bessere Quote brachte, als das parallel laufende Spiel der Dortmunder Borussia. Offenbar genau in dem Moment nämlich, als die Ausschreitungen begannen.

Ausschreitungen? Es scheint wohl so. Zunächst Pyrotechnik auf beiden Seiten als erstes Indiz. Dann Schlimmeres. Man konnte in diversen Zeitungen das eine oder andere über einen Platzsturm lesen, der immerhin zu einer halbstündigen Spielunterbrechung und gewissen Schwierigkeiten mit dem Sendeplan im Hause Sport1 führte. Der eifrig herbeiinterviewte Urduisburger Bernard Dietz erklärte dazu feierlich und von Moderator Dahlmann vollkommenen unwidersprochen, man solle die Randalierer doch einfach "ohne große Juristerei" in den Knast sperren. Später erklärten einige, sich von solchen den Fußball nicht kaputt machen zu lassen.

Ich gebe zu, dass ich das Spiel selbst nicht gesehen habe. Der Niederrheinpokal hat mich schon vorher nicht sonderlich interessiert. Derartige Statements, noch dazu wenn sie unwidersprochen bleiben, interessieren mich dann aber doch. Hätte ich keine tiefere Kenntnis von der Materie und mich anderweitig informiert, müsste ich wohl davon ausgehen, dass sich im neuen Essener Stadion bürgerkriegsähnliche Ereignisse abgespielt hätten und man die Verursacher einfach laufen lässt. Habe ich aber. Sport1 zeigte in seinen späteren Berichten tatsächlich Szenen, in denen einige, vielleicht ein gutes Dutzend, Zuschauer in bzw. vor einem geöffneten Fluchttor zum Innenraum standen. Abgeschirmt von weitaus mehr Polizei. Mehr sollte es wohl nicht gewesen sein. Das berichteten ebenfalls viele, die die ganze Übertragung verfolgt haben. Personen, die ihrerseits selbst im Stadion waren bestätigten es und wussten darüber hinaus zu berichten, dass eben jenes Tor schon öfters offen stand. Ziemlich mau für einen ausgewachsenen Platzsturm. Bleibt die Aussage des Herrn Dietz und das Schweigen des Moderators.

Bevor man jemanden einsperrt, ob mit oder ohne große Juristerei sei jetzt einmal dahin gestellt, sollte dieser jemand sich zumindest noch strafbar gemacht haben. Das sollte selbst in Zeiten geforderter Schnellgerichte gelten. Blöd für Herrn Dietz ist in diesem Zusammenhang, dass das in Essen gerade nicht geschehen ist. Das Durchschreiten eines Tores ist nicht einmal dann strafbewehrt, wenn es sich um ein Fluchttor handelt. Selbst das Betreten des Platzes wäre allenfalls ein Verstoß gegen die Stadionordnung. Geht jemand trotz Aufforderung nicht wieder zurück, könnte man vielleicht noch über Hausfriedensbruch nachdenken, aber Knast? Dass Herr Dahlmann derartiges einfach so hinnimmt, offenbart ein hohes Maß an Überforderung und Unkenntnis und einen gewissen Hang zu unreflektiertem Populismus. Nicht unbedingt das, was man sich von einer seriösen Berichterstattung erwartet.

Sicher, solange Pyrotechnik im Stadion qua Stadionordnung untersagt ist, sollte man Abstand davon nehmen, zu zündeln. Und das Betreten des Innenraums kann man sich ebenso gut klemmen. Insbesondere letzteres stört doch immens und beeinträchtigt den Spielbetrieb erheblich. Weder den Aufmarsch der Polizei aufgrund der zumindest anzunehmenden Gefahrenlage, noch die Spielunterbrechung wird man deshalb ernsthaft in Zweifel ziehen. Eine völlig überzogene Berichterstattung und Forderungen jenseits der Donnerkuppel braucht aber ebenfalls kein Mensch.

Es geht nicht nur um Sport1. Genug andere haben die sogenannte Berichterstattung aufgegriffen und machen es Menschen, die gerade nicht dabei waren schwer, einen möglichst objektiven Eindruck zu erhalten. Statt über das Spiel und das tatsächliche Geschehen, wurde überwiegend das Gespenst eines angeblichen Platzsturm berichtet, der so jedenfalls nicht stattgefunden hat. Ob er überhaupt bevorstand lässt sich den Bildern und Berichten nicht entnehmen. Und es geht auch nicht nur um ein Halbfinale im Niederrheinpokal. Verzerrte und wertende Tatsachenberichte bilden Meinungen auf unzureichender Grundlage - nicht nur aber sehr Häufig im Kontext Fußball. Es wäre schon hilfreich, wenn man sich seitens der Medien zunächst auf die Schilderung von Tatsachen beschränken könnte und sich die Wertungen für später aufhebt oder sie zumindest kenntlich macht. Von der Möglichkeit auch kritischer Betrachtungsweisen rede ich schon gar nicht mehr. Tatsächlich sollte man sich den Fußball von den Handlungen einzelner nicht kaputt machen lassen; noch weniger aber den Rechtsstaat von einer Meinungsmache, die den Namen Berichterstattung nicht verdient.

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